Mein Rollstuhl relativiert so manches aktuelle Problem

Michael Sicher ist Rollstuhlfahrer und Führungskräfte-Coach. Mit „Success trotz Handicap“ hat er ein Forum geschaffen, das Behinderte mit Personalisten vernetzt

Ein „Schlüsselerlebnis“ für ihn war zuletzt der neue Rollstuhl mit nach oben verstellbarer Sitzhöhe: „Eine ganz neue Perspektive, weil Rollstuhlfahrer mit anderen praktisch nie auf Augenhöhe kommunizieren können.“

Michael Sicher ist selbstständiger Life Coach in Wien, seine Firma heißt „BUSYPEOPLECOACHING“. Warum Führungskräfte gern zu ihm kommen? „Mein Rollstuhl relativiert vielleicht manche aktuellen Probleme in diesen Berufen“, vermutet er. Aktuelle Themen seiner Klienten seien Job- und Midlife-Krisen, häufig auch die Problemstellungen „neuer Chefs“ für „alte“ Teams.

Coach ist er aus purem Interesse geworden, die diversen Ausbildungen hätten ihn sehr bereichert, sagt Sicher, der zuerst bei einem Internet-Serviceprovider und dann bei lion.cc als IT-Leiter mit 30 Mitarbeitern tätig war. Eingetragener Mediator ist er auch, und als studierter Wirtschaftsinformatiker bleibt er als IT-Consulter seiner alten Branche treu. „Von einer Sache abhängig sein ist nicht gut“, lacht er.

Obwohl: Natürlich kennt er die Probleme mit dem Behinderteneinstellungsgesetz, natürlich kennt er die Vorbehalte von Unternehmen und ihre Ängste, „Behinderte dann nie wieder loszuwerden“.

Eine Lösung dafür hat er auch nicht, am ehesten, meint Sicher, lassen sich diese Vorurteile „hart“ entkräften, also: freie Dienstverträge. Aber, weiß er aus seinen Umfragen, die er unermüdlich bei Personalchefs via Internetplattform Xing (open BC) macht: Es liegt tiefer – die Menschen denken, dass Behinderte entweder zu Hause oder in einer Behindertenwerkstatt sitzen (sollen). Auf Xing hat er das Forum „Success trotz Handicap“ mit derzeit 131 Mitgliedern, überwiegend Betroffenen, ins Leben gerufen.

Sicher: „Eigentlich geht es immer nur um die Chance, dass Behinderte zeigen können, dass sie gut sind.“ Deswegen schafft er unentwegt Kontakt zu Personalverantwortlichen und versucht ruhelos, Betroffene sichtbar zu machen.

Karin Bauer